Von Monika Becker
Foto: St. Canisius
01.03.2020

Fastenpredigt von Dieter Hallervorden

Predigt vonDieter Hallervorden
Predigt vom01.03.2020

Am 1. März begann die Fastenpredigtreihe 2020 zum Thema „Abbruch, Umbruch, Aufbruch: Glaube und Skepsis in brüchigen Zeiten“ mit dem Berliner Schauspieler Dieter Hallervorden, der sich statt eines klassischen Predigtformats von Pfarrer P. Hösl SJ interviewen ließ.

Passend zum Thema begann das Gespräch mit der Frage danach, ob und wie der Wechsel vom komisch-kabarettistischen Fach in die ernsten Rollen der jüngeren Zeit einen Umbruch dargestellt hätten, oder ob vielleicht nur unsere Wahrnehmung nicht stimmt – wenn man z.B. das Engagement Hallervordens für seine beiden Theater Schlossparktheater oder die Wühlmäuse in Rechnung stellt. Hallervorden begrüßte die Gemeinde freundlich und freute sich sichtlich, Rede und Antwort stehen zu können, auch wenn er zugab, von der vergangenen Nacht, einer Premierenfeier, noch etwas angeschlagen zu sein.

Er habe in seinem Leben tatsächlich manche Wechsel erlebt, hin vom schon an der Universität begonnenen politischen Kabarett zum komischen Sketch-Format und dann zu seinen Theaterrollen. Der Film „Sein letztes Rennen“ liege ihm besonders am Herzen, es sei ein großes Glück in seinem Beruf, Drehbücher zu bekommen, die eine solche Rolle enthielten.

Einen Ratschlag, wie man sich von einem festen Rollenbild befreien könnte, habe er nur indirekt. Zum einen müsse man sagen, dass man das auch können müsse, wonach man sich sehne – sonst sei das Unglück vorprogrammiert. Es komme aber seiner Meinung nach sowieso eher darauf an, dass man das mit dem Herzen tue, was man mache. Dabei komme es maßgeblich darauf an, was man selbst zu einer Situation beitrage. Bis heute mache er immer wieder die Erfahrung, dass es unglaublich einfach sei, Menschen zum Lächeln zu bringen, indem man sie selbst freundlich anlächele. Das funktioniere überall, auch in fernsten Ländern. Es dürfe aber eben kein künstliches Lächeln sei.

Auf den Film „Sein letztes Rennen“ angesprochen erzählte der Schauspieler, er habe sich akribisch auf die Rolle eines alternden Marathonläufers vorbereitet, indem er ein halbes Jahr lang jeden Tag trainiert habe. Es sei unglaublich, welche Effekte man erzielen könne, wenn man das tatsächlich jeden Tag tue. Spaß habe er allerdings am Laufen keinen gefunden und auch die berühmte Endorphinausschüttung sei ausgeblieben. Am Sport halte er aber fest, auch heute noch stehe er jeden Tag um 7 Uhr auf, um Sport zu machen. Der Rollencharakter hat sich mit dem Spruch „Auf – ab – auf – ab –auf – geht immer gut aus!“ als Optimist erwiesen; im echten Leben sieht Hallervorden sich eher als einen Realisten.

Bei der Fragen nach einem unerfüllten und vielleicht auch unerfüllbaren Traum in seinem Leben berichtete der Gast von einem von ihm für die Bühne adaptierten französischen Roman, in dem er ab September Gott selbst verkörpern werde. Nach dem Roman von J.-L. Fournier werde der „Lebenslauf Gottes“ vorgestellt. In der Geschichte verfällt Gott in eine tiefe Melancholie und entscheidet sich, Arbeit zu suchen, so wie jeder gewöhnliche Sterbliche auch. Dafür stellt er seinen Lebenslauf zusammen, formuliert ein Bewerbungsschreiben und wird umgehend zur Erde zitiert, zum Sitz einer großen Unternehmensgruppe. Vor ihm liegt eine Woche mit Tests und diversen Gesprächen, bei denen er zu allem, was die Menschheit bewegt, Rede und Antwort stehen muss. Darauf freue Hallervorden sich schon sehr und hoffe, die Premiere in guter Gesundheit zu erleben, denn immerhin werde er im September 85 Jahre alt.

Auch die Rolle des an zunehmender Demenz leidenden Großvaters im Film „Honig im Kopf“ habe er gerne gespielt. Er werde seitdem häufig zu Veranstaltungen eingeladen, bei denen es um diese Krankheit gehe. Er komme dann, weil er es wichtig finde, dass man sich mit Demenz und dem Umgang mit Demenzkranken befasse – eine echte Beratung könne er aber natürlich nicht geben, dass überlasse er den Medizinern.

Die Predigt zum Mitnehmen


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