Haussegnung – Wie läuft sowas ab?

Beitrag anhören
–:–

Die religiöse Landschaft ändert sich und auch die religiösen Bedürfnisse mit ihr. Neu und doch auch ein ganz alter Hut: Haus- und Wohnungssegnungen!

Heute fuhr ich ca. 70 km nördlich von Berlin zu einer Haussegnung nach Glambeck in den Norden von Brandenburg. Dort beklagt man wie auch anderorts den Wegzug, v.a. junger Leute. Einige aber ziehen auch hierher. Eine katholische Kirche ist nicht leicht zu erreichen, deshalb fuhr ich hinaus ins Land von Theodor Fontane. Ein älteres Paar hatte ein baufälliges Haus instandgesetzt, um Kindern und Enkeln in Berlin näher zu sein. Diese wiederum kamen so zu einer dynamischen Oma in Reichweite und einem wunderschönen Wochenenddomizil.

Es ist schon viel geschehen! Alte Fotos verraten, wie es noch unlängst hier aussah. Und da gibt es auch noch viel zu tun. Neben und um ein schönes kleines Häuschen gibt es schon einen Garten mit viel Gemüse und ein Gehege mit Ziegen, die man freilich vom Gemüse fernhalten muss. Dazu werden die Ziegen nachmittags Gassi geführt. Freilich munkelt man auch, dass dort im benachbarten Wald der Wolf nur auf so ein leckeres Opfer wartet…

Neben den stolzen Häusebesitzern (ursprünglich aus Rheinhessen und dem Saarland stammend) waren Sohn und Schwiegertochter mit ihrem kleinen Baby, sowie eine Nachbarin, die ebenfalls aus dem Westen stammt und im Dunstkreis Bundestag arbeitet, da. Katholisch, evangelisch, ausgetreten… – alles dabei, aber auch nicht wirklich wichtig für die Haussegnung. Niemandem wird etwas aufgezwungen. Jeder darf und keiner muss mitbeten.

Wir sangen spontan ein Lied: Wo zwei oder drei… Dazu reichen die Kirchen- und Liedkenntnisse allemal noch. Jemand liest einen kleinen Abschnitt aus der Bibel, den Schluss der Bergpredigt:
Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mensch, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut.

Jesus war ja als Zimmermann vom Fach. Aber schon die Zuhörer damals dürften gemerkt haben: Hier geht es nicht um ein Steinhaus, hier geht es um das Lebenshaus!

So wie das Haus gebaut war dürfte ein Regenguss ihm nichts anhaben können. Gilt das auch für das Lebenshaus? Was ist, wenn es da rüttelt, tobt und flutet? Auch für das Lebenshaus braucht’s feste Tragmauern und ein Fundament: stabile Beziehungen, Verwandte, Freunde, sinnvolle Hobbies u.a. können solche tragfähige Mauern im Lebenshaus sein, die den Stürmen trotzen. Bei echten Krisen freilich stellt sich die Frage nach einem soliden Fundament. Die Worte und Werte Jesu sind so ein Fundament, das trägt, auch wenn der letzte Sturm mein Lebenshaus wegfegt: Wer auf Jesus baut, hat auch in der Stunde seines Todes nicht auf Sand gebaut.

Gemeinsam beteten wir Psalm 91, den man aus Corona-Zeiten noch kennen mag. Kein Unglück naht deinem Zelte, so heißt es da z.B. Dann ging es zum Segnen durch die Räumlichkeiten und mit dem Weihwasser wurde nicht gespart. Auch die Außenanlagen mit den Ziegen bekamen ein paar Spritzer ab. Mit Fürbitten, einem Vater Unser und einem Segen endete die kleine Hausfeier – dann gab es Kaffee und selbstgebackenes Brot!

Ich merke: Wo ein persönlicher Bezug da ist, da blüht Glaube wieder auf. Wenn es um mein Haus, meine Familie, meine Tiere, mein Zuhause geht, dann ist eine neue Ansprechbarkeit da. Die dogmatischen Fragen sind da nicht so wichtig. Man merkt: Ich habe das Leben nicht im Griff! Ich kann den Vollkaskoschutz, den ich gerne hätte, mit Bordmitteln nicht gewährleisten. Ich suche ihn trotzdem… suche ich Gott?

Es geht nicht darum Fragen definitiv zu klären. Vielleicht werden sie sogar jetzt erst wach. Dann wird geklönt und Kaffee getrunken. Es war eine schöne Stunde und irgendeine Geborgenheit war da.

Wenn auch Sie Ihr Haus oder Ihre Wohnung segnen lassen möchten – melden Sie sich!

Foto: Manfred Hösl, Veronica O.
Foto: Manfred Hösl, Veronica O.
×
× ❮ ❯ Vergrößerte Ansicht